Wer wir sind

„Zeitpaten“ sind Frauen und Männer, die jeweils einem Kind über einen fest gelegten Zeitraum verlässlich Zeit schenken möchten.

Die Situation:
In den westlichen Industrienationen verändern sich seit Jahrzehnten Familien – und Lebensformen. Am allermeisten davon betroffen sind Kinder und Jugendliche, die heute in Kleinfamilien oder mit allein erziehenden Elternteilen zusammen ohne Großeltern oder anderen Verwandten leben. Diese wohnen weit entfernt oder sind für die Kinder nur selten präsent. Familiäre, verwandtschaftliche Netzwerke brechen ganz weg oder werden durchlässiger. Es fehlen Kindern und Jugendlichen oft Erwachsene, die sie fördern und ihrem Bedürfnis nach Zuwendung, Verbundenheit, Austausch, Orientierung, Unterstützung, Geborgenheit und Nähe gerecht werden. Dazu gehören auch modellhafte Antworten auf solche Fragen wie: Wer bin ich? Wie will ich sein? Welche Werte sind mir wichtig? Wie wird man erwachsen? Wie all den Ansprüchen genügen?

Die Idee:
Es gibt viele Erwachsene, die gerne ihr Leben stundenweise mit Kindern und Jugendlichen teilen möchten. Andererseits steckt in den Kindern und Jugendlichen viel Potential, welches sich mit der Unterstützung durch einen begleitenden Erwachsenen entfalten kann.

Solche begleitenden Erwachsenen können als Paten und Patinnen die oben beschriebene Lücke füllen. Paten können als erwachsene Freunde dem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit geben und damit das Gefühl der eigenen Wichtigkeit und des Ernst genommen Werdens. Paten und Patinnen können Selbstfindungsprozesse von Kindern und Jugendlichen unterstützen und ihnen helfen, eigene Stärken aus zu bauen. Dabei wird das Erfahrungsfeld der jungen Menschen erweitert, und sie werden nicht auf die Rolle als Sohn, Tochter, Schüler oder Schülerin festgelegt. Patenschaften sind verlässlich und können Lebenschancen der jungen Menschen steigern, indem neue Welten erschlossen werden. Sie können auch von schwierigen Situationen zu Hause oder in der Schule entlasten, weil Geborgenheit und Angenommensein vermittelt wird. Auch die Paten lernen über sich dazu, indem sie eigene Erfahrungen weitergeben. Sie sind tätig auf der Basis von freiwilligem sozialem und ehrenamtlichem Engagement, sie sollen Spaß und Freude an diesem Engagement haben. Über regelmäßige Treffen (wenn möglich wöchentlich, aber mindestens zweimal pro Monat etwa 2-3 Stunden) und gemeinsamen Unternehmungen, die beiden Seiten Spaß machen (Sport, Spaziergänge, Kochen, Handwerken…) kommen Paten und Schützlinge ins Gespräch. Es wird ein Tandem gebildet. Es wächst eine freundschaftliche Wahlverwandtschaft, die von gegenseitiger Anteilnahme und Vertrauen geprägt ist. Die Kinder und Jugendlichen erfahren durch die Patenschaft eine persönliche Stärkung, eine Förderung ihrer Potentiale, eine vielseitige Unterstützung dort, wo sie diese gerade brauchen oder wünschen, aber auch ein Heranführen an neue Themen. Aus diesen Beziehungen schöpfen die Kinder und Jugendlichen Energien für ihren Alltag und für die Herausforderungen des Lebens.

Die Schirmherrin:

Portrait

Das Zeitpaten-Projekt habe ich zuerst mit „Kindern Zeit lassen“ assoziiert.

Innovationen entstehen nur, wenn Menschen sich entwickeln. Das passiert meist, wenn Zeit und Raum dafür da ist. In unserem Unternehmen z. B. entstehen die langfristig besten Entwicklungen, wenn der Handwerker die Zeit hat, neues Wissen auf seine handwerklichen Fähigkeiten zu übertragen, sie auszuprobieren. Was von außen kommt, sind das neue Wissen, Aufzeigen von Möglichkeiten, auf keinen Fall aber Zeitdruck. Dieses Beispiel ist meines Erachtens übertragbar auf die Entwicklung von Kindern.

Zeitpaten schaffen den Rahmen, die Anregung, innerhalb dessen Kinder Zeit haben, das was sie von außen aufnehmen, mit dem zu verbinden, was sie selber können und daraus Neues für sich zu entwickeln. Die meisten von uns werden sich aus ihrer eigenen Jugend an die Erwachsenen erinnern, die ihnen Zeit und Raum zur Entwicklung geschenkt haben.

Ich war eines von 5 Geschwistern. Da lernt man teilen, auch die Zeit. Während der gesamten Jugendzeit war meine Patentante eine wichtige Bindung für mich. Jeden zweiten Sommer durfte ich alleine 2 Wochen zu ihr nach Bayreuth. Und da sie damals schon erwachsene Kinder hatte, hatte sie Zeit für mich. Ich war 2 Wochen lang Mittelpunkt, wurde verwöhnt mit Gesprächen, Ausflügen, Sport, alles war nur für uns beide. Schon lange vorher hat sie meine Interessen in Briefen mit mir abgestimmt. Und diese privilegierte Stellung, die ich dort genoss, hat ein großes Stück zur Bildung meines Selbstbewusstseins beigetragen.

Als Mutter von 2 Kindern weiß ich, wie wertvoll Zeit mit einem Kind sein kann. Dass alleine Mütter oder Väter diese notwendige Zeit für ein Kind immer aufbringen können, ist unrealistisch.

Als Unternehmerin halte ich es heute für einen Wert unserer Sozialkultur, wenn wir Frauen und Männern die gleichen Möglichkeiten für Karriere und Entwicklung im Beruf geben können. Ich sehe aber auch, dass sich Zeit für Kinder und Zeit für Beruf oft trotz bestem Willen bei unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nicht immer ideal vereinbaren lassen.

Wir als Unternehmen können mit flexiblen Arbeitszeitmodellen unterstützen. Wichtiger ist es für uns aber, eingebunden zu sein in ein Netzwerk, das Familien in vielfältiger Weise unterstützen kann.

Die „Zeitpaten“ sind ein wichtiger Knoten in diesem Netz, das die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in besonderer Weise fördert und deshalb für berufstätige Eltern eine interessante Unterstützung darstellen kann.

Die Zeitpaten werden von der evangelischen Frauenhilfe professionell ausgewählt, betreut und supervisiert. Das ist meines Erachtens auch eine unerlässliche Voraussetzung. Denn im Unterschied zu den „Verwandten-Paten“ müssen die Zeitpaten das Vertrauen eines „fremden“ Kindes gewinnen und das ist eine echte Herausforderung.

Ich halte die Zeitpaten für ein tolles Projekt und auch für ein notwendiges Angebot an Familien. Solche Angebote brauchen wir im Netzwerk Gesellschaft, zu dem auch wir Unternehmen über unsere Mitarbeiter in vielfältiger Weise verknüpft sind.

Ich würde mir wünschen, dass noch vielmehr Tandems entstehen und vielmehr Familien auf dieses Angebot zurückgreifen.

Kontakt:
Marianne Müller
Tel.: 02737-592496

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